Falls die verehrte Leserschaft nun denkt: »Was zur Hölle ist ein ›Stehkragenprolet‹?«, kann ich sie beruhigen: Ging mir genauso.

Essay: »Was ist eine gute Zeichnung?!«

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.culturmag.de

Die gute Zeichnung

Neulich im Netz stellte sie sich für mich wieder einmal, die Frage: »Was ist eine gute Zeichnung?!« Ein Essay von Hanspeter Ludwig.

Nicht Malerei, sondern die reine Zeichnung meine ich. Jene künstlerische Form, die gern als Illustration in Büchern auftaucht oder eben in Comics, dem Medium, das mich immer noch am meisten berührt. Irgendwo dort in den meinungsheischenden Weiten der weltweiten Spinnwebe las ich eine Reihe von Lobeshymnen zu den Comics von Serpieri, die – meiner Meinung nach völlig zu Unrecht – deren hohe Qualität feierten. Mir fiel dabei wieder eine Bemerkung meiner Schwester ein. Sie hatte sich in einem Gespräch vor einiger Zeit völlig „talentlos“ genannt, und das bloss, weil die Illustrationen zu ihren eigenen Geschichten praktisch ausschließlich ein Hobby und Privatvergnügen sind. Natürlich sind die Zeichnungen meiner Schwester weit von der technischen Perfektion eines Serpieri entfernt, aber dennoch sprühen manche davon einen Charme aus, der vielen technisch perfekten Zeichnern fehlt. Mir wurde mit einem Mal klar, dass ich Zeichnungen einer ungelernten Hobbyzeichnerin denen eines seit Jahren geübten Comiczeichners vorziehe. Dass sie mit mir verwandt ist, spielt in diesem Fall keine Rolle. Für mich war das extrem verwirrend.